Kunstinitiative

des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

"Abschnitt  B II e"

Ausstellung 01. - 31. August 2017

 

Konstanze Sailer

 

Tusche auf Papier

 

 

 

Kunstfabrik am Turm

Agatha-Straße 44

69126 Heidelberg

 

Agatha B. (* 12. Januar 1923 in Heidelberg; † 15. April 1944 im NS-Vernichtungslager Auschwitz) war eine Romni, die im KZ Auschwitz-Birkenau, im sogenannten „Zigeunerlager“, dem „Block" bzw. Abschnitt  B II e“, unter einer entindividualisierenden Häftlingskategorie und Nummer inhaftiert und im Alter von 21 Jahren ermordet wurde.

 

Bis zum heutigen Tag existiert keine Straße, die ihren Namen trägt. Hingegen ist nach Felix Wankel nach wie vor eine Straße in Heidelberg (und in mehreren Dutzend weiteren Orten Deutschlands, darunter sogar Dachau, benannt). Wankel war Maschinenbauingenieur und Erfinder des gleichnamigen Motors. Er trat bereits 1921/22 der NSDAP in Mannheim bei, wurde später ausgeschlossen und war 1931/32 insg. 11 Monate hindurch Gauleiter der Hitlerjugend in Baden. Heinrich Himmler ernannte ihn 1940 zum SS-Obersturmbannführer (ohne Dienstverrichtung, 1942 wurde er von der SS ausgeschlossen). Wankel erhielt eigenen Angaben zufolge für seine verschiedenen technischen Entwicklungen ca. 4 ½ Millionen Reichsmark vonseiten des Reichsluftfahrtministeriums. Anstelle von Felix Wankel könnte in Heidelberg an Agatha B. erinnert werden.

 

Quellen: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Sigmaringen, Wü 13 T 2, Nr. 2466/028; Nr. 2855/012; Nr. 2684/249 (Entnazifizierungsakten; Staatskommissariat für die politische Säuberung, Laufzeit 1945-1952)

"Schrei 11:33 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 11:33 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Holocaust

 

wurden in Europa an die 500.000 Roma und Sinti in den NS-Vernichtungslagern ermordet, starben infolge von Zwangsarbeit, planmäßiger Mangelernährung und unbehandelten Krankheiten.

 

 

  

 

"Schrei 12:28 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 12:28 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Porajmos“ („Verschlingen“)

 

lautet die Romanes-Bezeichnung für den Genozid an den Roma und Sinti während des Nationalsozialismus

 

 

 

 

"Aufschrei 15:23 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 15:23 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

   

 

 

 

  

 

 

Vor 1938 lebten

 

an die 12.000 Roma und Sinti in Österreich. Etwa 90% aller österreichischen Roma und Sinti fielen den rassistischen Verfolgungen und Deportationen der NS-Diktatur zum Opfer.

 

 

 

 

"Aufschrei 17:18 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 17:18 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit schwarzen und später

 

braunen „Winkeln“, jenen farbigen, gleichschenkligen Stoffdreiecken auf der Häftlingskleidung wurden Roma und Sinti entindividualisiert und stigmatisiert.

 

  

 

"Endloser Schrei 22:09 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Endloser Schrei 22:09 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

  

 

 

  

 

 

 

Im sogenannten

 

Zigeunerlager“ – einem Teil des KZ Auschwitz-Birkenau – waren über 22.600 Roma und Sinti interniert. Von diesen wurden über 19.300 ermordet. Die Überlebenden wurden nach dem Krieg jahrzehntelang nicht als Opfer der NS-Verfolgung anerkannt. Sie erhielten daher vielfach nur geringe oder gar keine staatlichen Entschädigungen.

 

 

 

 

"Aufschrei 22:50 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 22:50 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 2. August 1944 wurden

 

an einem einzigen Tag in Auschwitz insgesamt 2.897 Roma und Sinti, darunter viele Kinder, in den Gaskammern ermordet.

 

 

 

   

"Schrei 00:45 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 00:45 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

Das unfassbare Leid der Opfer

 

entzieht sich der Sprache. Die in den Tuschen von Konstanze Sailer angedeuteten Kiefer sind in das Bild gesetzte Aufschreie. Sie stellen die schmerzerfüllten Verzweiflungsschreie dar und rufen diese zurück in unser kollektives Gedächtnis.