Kunstinitiative

des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

When war returns III: "Goldstern revisited"

Ausstellung 01. - 30. April 2022

 

Konstanze Sailer

 

Tusche auf Papier

 

 

 

Galerie Volkskunst

Franziska-Appel-Gasse 43

1220 Wien

 

Franziska Appel (* 21. Februar 1892 in Wien; † 29. April 1943 ebenda) war eine österreich-ische Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Von Beruf Schneiderin, war sie ab 1931 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs, nach dem Parteiverbot durch die Regierung Dollfuß ab 1934 Mitglied der Revolutionären Sozialisten sowie Bezirks-kassierin der Roten Hilfe und der KPÖ im 8. Wiener Gemeindebezirk. Im Juli 1941 wurde sie von der Gestapo verhaftet, im November 1942 vom NS-Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die NS-Vorwürfe betrafen: Vorbereitung des Hochverrats, Identifikation mit dem Bolschewis-mus und Verbreitung von Flugschriften. Franziska Appel wurde am Abend des 29. April 1943 im Wiener Landesgericht enthauptet.

 

Bis zum heutigen Tag existiert keine Straße, die ihren Namen trägt. Hingegen ist nach Michael Haberlandt nach wie vor eine Gasse in Wien Donaustadt benannt. Haberlandt war Indologe, Volkskundler, habilitierter Völkerkundler sowie Gründer und Leiter des Volkskundemuseums in Wien. Als Museumsdirektor, als wissen-schaftlicher Autor und Herausgeber bereitete er frühzeitig den Boden für die Verbreitung von antisemitischem, rassistischem, deutschnationalem und pro-kolonialistischem Gedankengut auf. Anstelle von Michael Haberlandt könnte in Wien Donaustadt an Franziska Appel erinnert werden.

"Schrei 08:22 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 08:22 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Die Nachfolge

 

Michael Haberlandts in der Leitung des Wiener Volkskundemuseums – sowohl administrativ als auch im Geiste des deutschnationalen, rassistischen und antisemitischen Gedankengutes – trat dessen Sohn, der Volkskundler Arthur Haberlandt an.

"Schrei 09:43 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 09:43 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits ab 1933

 

waren zahlreiche illegale NSDAP-Mitglieder im Volkskundemuseum beschäftigt. In den Museumsräum-lichkeiten wurden NSDAP-Parteimitgliederkarten und schwarze Listen mit Namen politischer Gegner gelagert sowie zahlreiche Veranstaltungen und Schulungen der illegalen NSDAP abgehalten.

"Schrei 12:38 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 12:38 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

   

 

 

 

 

  

 

 

Die antisemitische

 

Besetzungspolitik führte auch dazu, dass der ehemaligen Studentin Haberlandts und Pionierin der Ethnographie, der jüdischen Ethnologin Eugenie Goldstern, eine Anstellung verweigert wurde.

"Aufschrei 15:17 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 15:17 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Goldsterns weltoffene

 

volkskundliche Forschungen standen in diametralem Gegensatz zur damaligen deutschnationalen Volkstums-Ausrichtung des Museums.

"Aufschrei 15:37 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 15:37 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eugenie (Jenja/Jenny) Goldstern

 

wurde am 14. Juni 1942 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort vermutlich bereits kurz nach ihrer Ankunft ermordet.

"Aufschrei 16:58 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 16:58 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Primo Levi schrieb:

 

In den Lagern vonSobibor, Treblinka oder Majdanekbetrug die durchschnittliche Lebensdauer eine oder zwei Wochen. Wenn von diesen Lagern nicht die Rede ist, so deshalb, weil von dort kein einziger Jude zurückgekehrt ist, um seine Geschichte zu erzählen.

"Aufschrei 18:52 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 18:52 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das dem 1940 verstorbenen

 

Michael Haberlandt noch während der NS-Zeit gewidmete Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof wurde erst im Jahre 2011 vonseiten der Stadt aberkannt.

 

"Endloser Schrei 20:04 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Endloser Schrei 20:04 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die zum Aufschrei

 

geöffneten Kiefer in den tausenden Tuschen auf Papier von Konstanze Sailer sind in das Bild gesetzte sprachliche Zeichen.

Sie repräsentieren Schreie, sie machen die Aufschreie wieder präsent, rufen sie zurück in die Verpflichtung zu einer kollektiven Erinnerungskultur.