Seit 2016 schlägt Memory Gaps vor, der enteigneten, deportierten und ermordeten Malerin Helene Taussig in Salzburg angemessen zu gedenken und die Josef-Thorak-Straße nach Helene Taussig umzubenennen. In absehbarer Zeit dürfte es endlich dazu kommen.
Auf den Namenszusatz "von" (von Taussig) wird in Österreich bekanntlich seit 1919 verzichtet, zumeist jedenfalls.

Helene Taussig (* 10. Mai 1879 in Wien; † 21. April 1942 im Transit-Ghetto Izbica) war eine österreichische Malerin. Nach dem Tod ihres Vaters, des Gouverneurs der Bodencreditanstalt Theodor von Taussig, widmete sie sich ab 1910 gänzlich der Malerei. Sie lebte und arbeitete seit 1919 in Anif bei Salzburg, Ausstellungen ab 1927 folgten, 1934 ließ sie sich vom Salzburger Architekten Otto Prossinger ein Atelier in Anif errichten. 1940 wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus Anif ausgewiesen, 1941 enteignet. Helene Taussig floh nach Wien und fand für kurze Zeit in Wien-Floridsdorf, Töllergasse 15, Zuflucht im Altersheim des Klosters der Karmelitinnen. Am 9. April 1942 wurde sie in das Transit-Ghetto Izbica deportiert. Am 21. April 1942 in Izbica als verstorben gemeldet, wurde Helene Taussig vermutlich aber bereits davor, in einem der NS-Vernichtungslager Belzec, Sobibor oder Majdanek ermordet.
"Aryanization" – "Arisierung"
Die sogenannte "Arisierung" der Atelier-Villa Helene Taussigs in Anif erfolgte per "Kaufvertrag" vom 1. Oktober 1941. Gemäß dieses "Vertrags" erwarb Hofrat Ing. Josef Wojtek für einen Betrag von 17.100 Reichsmark das Haus. Der SS-Offizier, Kunsthistoriker und spätere NS-Kunsträuber Kajetan Mühlmann, mit Leopoldine "Poldi" Wojtek, der Tochter von Josef Wojtek verheiratet, zahlte in diesem Zusammenhang einen Teilbetrag von 15.000 Reichsmark auf ein Sperrkonto lautend auf "Entjudungserlös Helene Taussig", bei der Landes-Hypothekenanstalt Salzburg ein. "Käufer" der Villa war Josef Wojtek, der seiner Tochter Poldi das Haus schenkte. "Aryanization" ("Arisierung"), vermerkten die US-amerikanischen Militärbehörden nach dem Krieg.
Poldi Wojtek hingegen nahm die Atelier-Villa, die ihr
Vater "ohne jeglichen Druck auf Fräulein Taussig rechtmäßig erworben" hatte, wie sie den US-amerikanischen Militär-behörden im März 1946 mitteilte, gerne an. Diese sei schließlich seit
Jahren leerstehend gewesen; überdies sei ja auch die Vorbesitzerin, Fräulein Taussig, aus der Gemeinde Anif hinausgeworfen worden und "starb kürzlich in Polen", wie Poldi Wojtek zu
Protokoll gab.
Eine Straße, die nach Helene Taussig benannt wird, stellt keine Rückerstattung im Sinne von Restitution dar, sondern entspricht dem Füllen
einer Jahrzehnte hindurch offen gebliebenen Leerstelle.
Jenen hingegen, die damals auf der „falschen Seite der Geschichte“ standen, sollen
ihre wissenschaftlichen, künstlerischen oder sonstigen Fähigkeiten und Leistungen keinesfalls abgesprochen oder weggenommen werden. Doch Ehrungen, die Städte ausgewählten Persönlichkeiten durch die Benennung von Straßen und Plätzen zukommen lassen, meinen immer den ganzen Menschen, dessen Leben und Haltung. Es gilt nach wie vor, was der deutsche Philosoph Theodor W. Adorno in seinen ethischen Reflexionen vermerkte: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen."
Würde auch der, nach einem der weltweit renommiertesten Dirigenten des
20. Jahrhunderts benannte, Platz in der Salzburger Altstadt umbenannt werden, sähe das Schild Helene-Taussig-Platz in etwa wie abgebildet aus:
