Kunstinitiative

des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

Helene Taussig: (k)eine Straße für Salzburg?

Memorial 01. - 31. Dezember 2020

Die Kunstinitiative Memory Gaps wendet sich in einem Brief an die Magistratsabteilung Kultur, Bildung und Wissen der Landeshauptstadt Salzburg, mit dem Anliegen, der während der NS-Zeit deportierten und ermordeten Malerin Helene Taussig mittels Straßennamen zu gedenken.

Brief von Konstanze Sailer / Memory Gaps an den Magistrat der Landeshauptstadt Salzburg v. 05. Dez. 2020, zwecks Umbenennung bzw. Neubenennung einer Salzburger Straße nach Helene Taussig
Brief von Konstanze Sailer / Memory Gaps an den Magistrat der Landeshauptstadt Salzburg v. 05. Dez. 2020, zwecks Umbenennung bzw. Neubenennung einer Salzburger Straße nach Helene Taussig

Nach einer Umbenennung oder Neubenennung hätten die Salzburger Straßenschilder in etwa das folgende Aussehen:

 

Helene-Taussig-Straße im Stadtteil Aigen, 5026 Salzburg bzw. im Stadtteil Parsch, 5025 Salzburg (Beispielbilder):

Straßenschild einer möglichen Salzburger "Helene-Taussig-Straße"; Grafik ©: Memory Gaps 2020
Straßenschild einer möglichen Salzburger "Helene-Taussig-Straße"; Grafik ©: Memory Gaps 2020

Würde der nach einem der weltweit renommiertesten Dirigenten des 20. Jahrhunderts benannte Platz in der Salzburger Altstadt umbenannt werden, sähe das Schild Helene-Taussig-Platz in etwa wie folgt aus:

Straßenschild "Helene-Taussig-Platz"; Grafik ©: Memory Gaps 2020
Straßenschild "Helene-Taussig-Platz"; Grafik ©: Memory Gaps 2020

Helene Taussig (* 10. Mai 1879 in Wien; † 21. April 1942 im Transit-Ghetto Izbica) war eine österreichische Malerin. Nach dem Tod ihres Vaters, des Gouverneurs der Bodencreditanstalt Theodor von Taussig, widmete sie sich ab 1910 gänzlich der Malerei. Sie lebte und arbeitete seit 1919 in Anif bei Salzburg, Ausstellungen ab 1927 folgten, 1934 ließ sie sich ein Atelier in Anif errichten. 1940 wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus Anif ausgewiesen, 1941 enteignet. Sie floh nach Wien und fand für kurze Zeit in Wien-Floridsdorf, Töllergasse 15, Zuflucht im Altersheim des Klosters der Karmelitinnen.

"Helene Taussig, Memorial 01", 2020, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer
"Helene Taussig, Memorial 01", 2020, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer

Die sogenannte "Arisierung" ihrer Atelier-Villa in Anif erfolgte per "Kaufvertrag" vom 1. Oktober 1941. Gemäß dieses "Vertrags" erwarb Hofrat Ing. Josef Wojtek für einen Betrag von 17.100 Reichsmark das Haus. Der SS-Offizier, Kunsthistoriker und spätere NS-Kunsträuber Kajetan Mühlmann, mit Leopoldine "Poldi" Wojtek, der Tochter von Josef Wojtek von 1932-1943 verheiratet, zahlte in diesem Zusammenhang einen Teilbetrag von 15.000 Reichsmark auf ein Sperrkonto lautend auf "Entjudungserlös Helene Taussig", bei der Landes-Hypothekenanstalt Salzburg ein. "Käufer" der Villa war Josef Wojtek, der seiner Tochter Poldi das Haus schenkte. "Aryanization" ("Arisierung"), vermerkten die US-amerikanischen Militärbehörden nach dem Krieg.

"Helene Taussig, Memorial 07", 2020, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer
"Helene Taussig, Memorial 07", 2020, 48 x 36cm; ©: Konstanze Sailer

Helene Taussig wurde aus ihrem Wiener Zufluchtsort, am 9. April 1942, in das Transit-Ghetto Izbica deportiert und vermutlich bereits vor dem 21. April 1942 in einem der NS-Vernichtungslager Belzec, Sobibor oder Majdanek ermordet.

 

Poldi Wojtek hingegen nahm die Atelier-Villa, die ihr Vater "ohne jeglichen Druck auf Fräulein Taussig rechtmäßig erworben" hatte, wie sie den US-amerikanischen Militär-behörden im März 1946 mitteilte, gerne an. Diese sei schließlich seit Jahren leerstehend gewesen; überdies sei ja auch die Vorbesitzerin, Fräulein Taussig, aus der Gemeinde Anif hinausgeworfen worden und "starb kürzlich in Polen", wie sie zu Protokoll gab.