Kunstinitiative

des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

Composer's Night, Vol. 1

Intervention Robert Dauber

Robert Dauber (* 27. August 1922 in Wien; † 24. März 1945 im KZ Dachau) war ein Cellist und Komponist jüdischer Herkunft. Sein Vater war Violinist, Komponist und Dirigent sowie in den 1920er Jahren Leiter seines "Dol Dauber Salonorchesters" in Wien. Robert Dauber spielte Klavier und Cello. Seine Familie floh bereits 1933, infolge der NS-Machtergreifung, nach Prag. Er wurde in Prag verhaftet und am 08. Sept. 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort wirkte er in verschiedenen musikalischen Aufführungen mit, unter anderem spielte er Cello in der Oper Brundibár. Am 28. Sept. 1944 wurde Robert Dauber aus dem Transitlager Theresienstadt in das KZ Dachau deportiert und dort am 24. März 1945 ermordet. Die offizielle Todesursache lautete Typhus.

 

Robert Daubers einzige bekannte Komposition ist eine Serenade für Violine und Klavier aus 1942. In einer Postkarte aus dem KZ Theresienstadt schrieb er am 25. Mai 1944 an seine Familie:

 

"Meine Lieben!

Vor allem vielen Dank für Eure lieben Briefe, mit welchen ich immer große Freude habe. Mir geht es weiter gutBin in der Stadtkapelle und spiele im Musikpavillonmeine Serenade wird in kurzer Zeit aufgeführt, so auch Papas PotpourrisFür heute meine Lieben, seid vielmals geküßt und umarmt von Eurem Bubi."

 

Mit – aus Gründen der KZ-Postzensur – vorgeschriebenen Worten, die Angehörigen Ruhe und Sicherheit vermitteln sollten, schloss Robert Dauber sein kurzes Schreiben: "Macht Euch um mich keine unnützen Sorgen!"

Snippet, Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
Snippet, Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
"Memorial Robert Dauber", 2021, Tusche auf Papier, © Konstanze Sailer
"Memorial Robert Dauber", 2021, Tusche auf Papier, © Konstanze Sailer

Bis zum heutigen Tag existiert in Wien keine Straße, die Robert Daubers Namen trägt. Hingegen ist nach Hans Pfitzner seit 1957 eine Gasse in Wien-Liesing benannt. In zahlreichen Städten Deutschlands und Österreichs sind nach wie vor Straßen nach Pfitzner benannt, etwa in Salzburg, München, Nürnberg sowie vielen anderen Orten.

 

"Treudeutsch und bitterböse" (Thomas Mann über Hans Pfitzner, 04.04.1947)

 

Hans Pfitzner, der renommierte und vielfach ausgezeichnete Komponist, war nicht nur während der NS-Diktatur, sondern bis zu seinem Tod 1949 in geradezu unbelehrbarerer Weise antisemitisch eingestellt. Er sympathisierte mit der NSDAP und diente sich sogar mit eigenen Kompositionen, wie der "Krakauer Begrüßung" (op. 54) an Hans Frank an. Frank war zunächst Reichsrechtsführer, d.h. oberster NS-Jurist, und wurde im Kriegsverlauf Generalgouverneur für die von der NS-Wehrmacht besetzen ehemaligen polnischen Gebiete, wodurch er auch für das Vernichtungslager Auschwitz zuständig war; dies trug ihm vonseiten der Opfer den Beinamen "Schlächter von Polen" ein.

 

Nicht nur die insgesamt drei Gastspiele Pfitzners in Krakau, zwischen 1942 und 1944, waren bedenklich, er nahm 1944 auch einen sog. Ehrensold von Propagandaminister Goebbels an. Pfitzner versuchte auch nach 1945 in seinen Schriften die NS-Verbrechen zu bagatellisieren und schickte 1946 sogar ein Trosttelegramm an Hans Frank in das Gefängnis nach Nürnberg kurz vor dessen Hinrichtung als Kriegsverbrecher.

 

Hamburg und Münster haben sich 2011 und 2012 bereits ihrer Pfitzner-Straßen entledigt, ebenso wie Lübeck 2019, Wiesbaden 2020 und Frankfurt 2021. Anstelle des bloßen verwaltungstechnischen Minimums einer lapidaren Zusatztafel beim Straßenschild von Hans Pfitzner, könnte künftig in Wien im Zuge einer Umbenennung an Robert Dauber erinnert werden.