Von der Antike bis heute zählen Kinder zu den von Kriegen meistbetroffenen aller vulnerablen Bevölkerungsgruppen. Von Berlin bis Wien, von Hamburg bis München, Salzburg, Linz sowie zahllosen weiteren Städten und Orten wurden während der NS-Diktatur etwa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche in der Shoah ermordet.
Seit 2015 erinnert Memory Gaps beständig an diese Kinder, an deren bestürzend kurze Leben und schrecklichen Tode.
Auch in den gegenwärtigen Kriegen weltweit werden nicht nur Kinder getötet oder erleiden teils schwerwiegende Verletzungen mit lebenslänglichen Folgen. Zu den drastischen Kriegsverbrechen zählen auch – je nach Kriegsverlauf – Tausende bzw. Zehntausende Entführungen und Verschleppungen von Kindern in das Territorium der jeweils militärisch überlegenen Kriegspartei.
Die traumatisierenden Deportationen sowie die nachfolgenden – zynisch "patriotische Umerziehungen" o.ä. genannten – Menschenrechtsverletzungen stellen ein doppeltes Verbrechen dar, da die betroffenen Kinder nicht nur ihrer Kindheit, sondern auch ihrer Identität beraubt werden.
Die obenstehende Auswahl von Tuschen auf Papier der Malerin Konstanze Sailer stellt Schreie und Aufschreie von Opfern dar. Schmerzerfüllt geöffnete Münder und Kiefer. Abstrakte Darstellungen von Schreien in Ghettos, in Konzentrations- und Vernichtungslagern – gemalte Erinnerungskultur.
"Jedes Kind hat das Recht auf den heutigen Tag." (Janusz Korczak)
Janusz Korczak, mit bürgerlichem Namen Henryk Goldszmit (* 22. Juli 1878 in Warschau; † nach dem 5. Aug. 1942 im Vernichtungslager Treblinka), war ein polnischer jüdischer Kinderarzt, Pädagoge, Schriftsteller und Leiter eines – 1912 nach seinen eigenen Plänen errichteten – jüdischen Waisenhauses, Dom Sierot.
Im August 1942 bestand Janusz Korczak darauf, die etwa 200 jüdischen Kinder seines Warschauer Waisenhauses, die von Schergen der SS abgeholt und in das NS-Vernichtungslager Treblinka deportiert wurden, zu begleiten.
Obwohl er die Möglichkeit zur Flucht aus dem Warschauer Ghetto gehabt hätte, ließen er und seine Mitarbeiterin Stefania Wilczyńska die Kinder nicht im Stich. Wissend, dass diese Entscheidung auch für sie selbst den Tod bedeuten würde, begleiteten sie ihre Waisenkinder in die NS-Gaskammer von Treblinka.
Die österreichische Entsprechung zu Janusz Korczak war Aron Menczer. Er war als Erzieher und Leiter der Jual-Schule in der Wiener Marc-Aurel-Straße sowie im Rahmen der Jugend-Alija, jener Ausbildungsorganisation, die Kinder und Jugendliche theoretisch aber auch handwerklich auf ihr zukünftiges Leben in Palästina vorbereitete, tätig.
Menczer rettete unzähligen Kindern das Leben, indem er ihnen zur Ausreise und Flucht aus Österreich verhalf. 1942 selbst nach Theresienstadt deportiert, setzte er seine unermüdliche Kinderbetreuung unter schwierigsten Verhältnissen fort. Im Herbst 1943 begleitete er – freiwillig – eine Gruppe von Waisenkindern, die nach Auschwitz deportiert wurden. Aron Menczer verließ die Kinder zu keinem Zeitpunkt und wurde gemeinsam mit diesen, unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz, am 07. Oktober 1943, ermordet.