Aktion des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

"Blaue Winkel"

Ausstellung 01. - 31. Juli 2015

 

Konstanze Sailer

 

Tusche auf Papier

 

 

 

Galerie Kunstquartier

Malva Schalek-Gasse 45                     

1230 Wien 

 

 

Malva Schalek (* 18. Februar 1882 in Prag; † 24. März 1945 im Konzentrationslager Auschwitz) war eine österreichisch-jüdische Malerin. Sie lebte und arbeitete in Wien. 1938 floh sie ins tschechische Leitmeritz und nach Einnahme des Sudetenlandes weiter nach Prag. 1942 wurde sie von dort in das KZ-Theresienstadt deportiert und malte heimlich KZ-Alltagsszenen. Nachdem sie sich weigerte, 1944 einen NS-Arzt zu porträtieren, wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz überstellt und dort ermordet.  

 

Bis zum heutigen Tag existiert in Wien keine Straße, die ihren Namen trägt. Hingegen ist nach Maria Grengg heute noch eine Gasse in 1230 Wien benannt. Grengg war Dichterin und Malerin, seit 1940 NSDAP-Mitglied und sympathisierte in ihren Schriften offen mit dem Nationalsozialismus. Anstelle von Maria Grengg sollte zukünftig in Wien-Liesing an Malva Schalek erinnert werden.

"Aufschrei 21:17 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Aufschrei 21:17 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

Eine der


entindividualisierenden Kennzeich-nungen in den Konzentrationslagern war die Kategorie „Blauer Winkel“. Diese bezeichnete sogenannte „Emigranten“, die unter anderem als „volksschädlich“ angesehen wurden. 

"Aufschrei 23:38 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Aufschrei 23:38 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

Als „Emigranten“ galten

 

beispielsweise jene Menschen, die zwar rechtzeitig aus dem deutschen Machtbereich emigriert oder auch geflohen waren, die jedoch durch die Besetzung jenes Landes, in das sie emigriert waren, erneut in die Hände von Gestapo oder SS fielen.


"Schrei 00:42 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Schrei 00:42 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Mit „Winkeln“,

 

jenen farbigen, gleichschenkligen Stoffdreiecken auf der Häftlings-kleidung wurden die Menschen, zusätzlich zu den Häftlingsnummern, stigmatisiert. 

"Schrei 07:39 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Schrei 07:39 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blaugelbe Winkel

 

waren als gelbe und blaue Dreiecke übereinandergelegt, um „jüdische Emigranten“ zu kennzeichnen. Im KZ konnte sich der Status von Inhaftierten jedoch auch jederzeit ändern und statt eines blauen etwa ein roter Winkel für politische Häftlinge aufgezwungen werden.

"Schrei 02:48 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Schrei 02:48 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Malva (Malvina) Schalek

 

musste ihr Atelier – im Dachgeschoss des Theater an der Wien gelegen – bereits 1938 verlassen und floh in das tschechische Leitmeritz (Litoměřice), in Nordböhmen. Als auch das Sudetenland „angeschlossen“ und „eingegliedert“ wurde, floh sie weiter nach Prag.

 

"Schrei 04:17 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Schrei 04:17 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Alter von 60 Jahren

 

wurde Malva Schalek, am 8. Februar 1942, von Prag in das Konzen-trationslager Theresienstadt deportiert. Ab diesem Zeitpunkt bis zu ihrer Ermordung, mehr als drei Jahre später im Konzentrationslager Auschwitz, wurde sie mit einem blaugelben Winkel stigmatisiert.

"Aufschrei 04:18 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Aufschrei 04:18 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das letzte Stück des Weges

 

geschieht ohne mich“, schreibt der französische Philosoph Emmanuel Lévinas, „die Zeit des Todes fließt bergauf.

"Schrei 04:21 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Schrei 04:21 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

Die Kiefer


in den Tuschen von Konstanze Sailer sind in das Bild gesetzte sprachliche Zeichen. Sie ordnen zu: Kiefer zu Aufschrei, Schriftzeichen zu Todesphonem.

"Endloser Schrei 05:58 Uhr", 2015, 48 x 36cm
"Endloser Schrei 05:58 Uhr", 2015, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das unfassbare Leid der Opfer

 

entzieht sich der Sprache. In das Bild gesetzte Aufschreie sind lautlos. Sie repräsentieren Schreie, machen diese erneut präsent, rufen sie zurück in unsere kollektive Verpflichtung einer Erinnerungskultur.