Aktion des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

Denkmal für Malva

Memorial 01. - 31. Dezember 2018

 

Was geschah mit jenen unzählbar vielen Menschen, die vor dem Nationalsozia-lismus rechtzeitig in eines der europäischen Nachbarländer geflohen waren, als diese Gebiete und Staaten nach Kriegsbeginn erneut in den Machtbereich der NS-Diktatur fielen?

 

Bereits die Ausstellung "Blaue Winkel", im Juli 2015, war dem Gedenken Malva Schaleks und deren malerischer Annäherung an das Grauen der NS-Zeit gewidmet.

 

Malva Schalek (* 18. Februar 1882 in Prag; † 24. Mai 1944 im Vernichtungslager Auschwitz) war eine österreichische jüdische Malerin. Sie lebte und arbeitete in Wien, in einem Atelier, das sich in den obersten Geschoßen des Theaters an der Wien befand. 1938 floh sie vor den Nationalsozialisten ins tschechische Leitmeritz und nach der Einnahme des Sudetenlandes weiter nach Prag. 1942 wurde sie dort verhaftet und in das KZ-Theresienstadt deportiert.

 

Trotz widrigster Bedingungen war Malva Schalek in der Lage, teils heimlich, Ghetto- und KZ-Alltagsszenen zu zeichnen. Nachdem sie sich geweigert hatte, 1944 einen NS-Arzt zu porträtieren, wurde sie (nach aktuellem Forschungsstand) am 18. Mai in das Vernichtungs-lager Auschwitz-Birkenau überstellt und dort vermutlich bereits am 24. Mai 1944 ermordet (andere Quellen nennen den 24. März 1945 als Sterbedatum). 

 

Anlässlich einer Ausstellung ihrer Werke in Wien, im Januar 1926, schrieb die Arbeiter-Zeitung: "Insbesondere die gezeichneten Bildnisse bezeugen, daß sie über solides handwerkliches Können verfügt. Die Formen der Köpfe sind nicht nur organisch und räumlich herausgearbeitet, sondern man gewinnt vor ihnen auch den Eindruck, daß die dargestellten Menschen richtig »getroffen« sind." (Arbeiter-Zeitung, 16.01.1926, S. 9)

 

 

Serie: "Malva Schalek". "Denkmal 07", 2018, Tusche auf Papier, 65 x 50cm; ©: Konstanze Sailer
Serie: "Malva Schalek". "Denkmal 07", 2018, Tusche auf Papier, 65 x 50cm; ©: Konstanze Sailer

Walter Benjamin und die Nichte Malva Schaleks

 

Im Süden Europas, an der französisch-spanischen Grenze, verhalf Lisa Fittko, die Nichte Malva Schaleks – in ähnlicher Konstellation – tausenden Menschen, die bereits nach Frankreich geflohen waren, zur neuerlichen Flucht vor den NS-Schergen.

 

Im Sept. 1940 unterstützte sie auch den deutschen Philosophen Walter Benjamin bei dessen Flucht nach Spanien, von wo dieser nach Portugal gelangen wollte, um mit seinem gültigen Visum in die USA auszureisen. Benjamin, der bereits 1933 nach Paris ins Exil gegangen und nach der NS-Besetzung Frankreichs 1940 erneut zur Flucht gezwungen war, begab sich nach Südfrankreich.

 

Von Banyuls, einem Mittelmeerort am Fuße der Pyrenäen, führte Lisa Fittko auch ihn über einen verschlungenen Wanderweg durch die am Mittelmeer gelegenen Berge in den spanischen Ort Portbou. Walter Benjamin befand sich dort zwar in relativer Sicherheit; aufgrund seiner subjektiv empfundenen Lebensbedrohung, die fehlenden Ausreise-stempel aus Frankreich könnten zu seiner Rückstellung und Übergabe an die mit dem NS-Regime kooperierenden Vichy-Behörden führen, nahm sich Benjamin in Portbou (höchstwahrscheinlich) durch eine Überdosis Morphium das Leben.

 

"Das letzte Stück des Weges geschieht ohne mich, …", schrieb der französische Philosoph Emmanuel Lévinas, "… die Zeit des Todes fließt bergauf.

 

 

Bertolt Brecht und Walter Benjamin spielten Schach

 

Bertolt Brecht wurde im dänischen Exil 1934 von Walter Benjamin besucht. Ihrer gemeinsamen Schachpartien gedenkend, verfasste Brecht zum Tod von Walter Benjamin das folgende antifaschistische Kurzgedicht:

 

"Ermattungstaktik war’s, was dir behagte

Am Schachtisch sitzend in des Birnbaums Schatten

Der Feind, der dich von deinen Büchern jagte

Lässt sich von unsereinem nicht ermatten."