Aktion des Gedenkens

von

Konstanze Sailer

"Hartheim"

Ausstellung 01. - 30. September 2017

 

Konstanze Sailer

 

Tusche auf Papier

 

 

 

Galerie Kunst-Flug

Hans-Oskar-Lauffer-Zeile 42

12101 Berlin

 

Hans Oskar Lauffer (* 21. Februar 1892 in Berlin; † 14. Oktober 1942 in der NS-Tötungs-anstalt Schloss Hartheim) war Musiker in Berlin. Als Homosexueller während der NS-Diktatur verfolgt, wurde er am 1. Juli 1942 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Von dort wurde er in das bei Linz (Oberösterreich) gelegene, von den Nationalsozialisten im Rahmen der sog. „Aktion T4“ zur Tötungsanstalt umgebaute, Schloss Hartheim deportiert. In Hartheim wurden zwischen 1940 und 1944 an die 30.000 geistig und/oder körperlich behinderte und kranke Menschen sowie nach NS-Diktion als „lebensunwert“ klassifizierte KZ-Häftlinge ermordet.

 

Bis zum heutigen Tag existiert in Berlin keine Straße, die Hans Oskar Lauffers Namen trägt. Hingegen ist nach Ernst Udet nach wie vor eine Zeile im Ortsteil Tempelhof – im sogenannten Fliegerviertel – benannt. Udet war Jagdflieger während des Ersten Weltkriegs. Als NS-Generalluftzeugmeister, zuletzt im Rang eines Generalobersten, verantwortete er ab 1939 die Flugzeugentwicklung sowie die technische Ausrüstung der NS-Luftwaffe. Anstelle von Ernst Udet könnte in Berlin an Hans Oskar Lauffer erinnert werden.

"Schrei 08:17 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 08:17 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

Zwischen 1933 und 1945

 

zerschlugen die Nationalsozialisten systematisch hunderttausende gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen. Sie verfolgten, internierten und ermordeten Schwule und Lesben.

 

 

   

 

"Schrei 09:03 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 09:03 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die NS-Reichszentrale

 

zur Bekämpfung der Homosexualität verfolgte und verurteilte über 50.000 homosexuelle Männer nach dem massiv verschärften § 175 des Strafgesetzbuches.

 

 

 

  

"Aufschrei 14:26 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 14:26 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

   

 

 

 

  

 

 

 

 

Dass SA-Führer Ernst Röhm

 

homosexuell war, ebenso wie einige andere hochrangige und bekannte Nationalsozialisten, galt in der NS-Führung als offenes Geheimnis.

 

 

 

 

"Aufschrei 15:09 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 15:09 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit „Winkeln“, jenen farbigen

 

gleichschenkligen Stoffdreiecken auf der Häftlingskleidung wurden Menschen – zusätzlich zu den Häftlingsnummern – ihrer Grundrechte beraubt, kategorisiert und damit entindividualisiert.

 

  

 

 

"Schrei 16:19 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 16:19 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

  

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

Rosa Winkel kennzeichneten auch

 

innerhalb des Konzentrationslagers eine ausgegrenzte Randgruppe, die besonders grausamen Behandlungen durch die SS ausgeliefert war und auch vergleichsweise wenig Solidarität der Mithäftlinge erhielt.

 

 

 

 

"Endloser Schrei 22:48 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Endloser Schrei 22:48 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der nationalsozialistische

 

§ 175 des Strafgesetzbuches wurde in der BRD bis in das Jahr 1969 beibehalten, erst ab 1969 entschärft, vollständig aufgehoben wurde er in Deutschland erst 1994. Die Öster-reichische Bundesregierung hat die Homosexuellen erst 2005 als Opfergruppe der NS-Verfolgung offiziell anerkannt.

 

 

 

   

"Schrei 02:45 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Schrei 02:45 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Das Schweigen ist ein Wort,

 

das kein Wort ist, und der Atem ein Gegenstand, der kein Gegenstand ist“, schrieb der französische Philosoph George Bataille.

 

 

 

 

"Aufschrei 03:55 Uhr", 2017, 48 x 36cm
"Aufschrei 03:55 Uhr", 2017, 48 x 36cm

 

 

 

 

 

    

 

 

 

Die Aufschreie

 

und die zum Schrei geöffneten Kiefer in den tausenden Tuschen auf Papier von Konstanze Sailer sind bildlich gesetzte sprachliche Zeichen. In das Bild gesetzte Aufschreie sind lautlos. Sie repräsentieren Schreie, sie machen diese wieder präsent, rufen sie zurück in unsere kollektive Verpflichtung zu einer Erinnerungskultur.